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Dienstag, 9. April 2013

Leben

Heute mal noch etwas ganz anderes.

Es gibt Schlüsselerlebnisse, die verändern den ganzen Blick auf das Leben. Sich verlieben, Heiraten, Kinder bekommen, neue Jobs, und ja - Krankheiten. Plötzlich rückt alles in einen anderen Fokus.

Mein Schlüsselerlebnis war der 04.10.2012 - morgens so um 9, als meine endgültige Diagnose mit ALL feststand.
Da trat die Stationsärztin auf mich zu mit einem Aufklärungsbogen. Haben wohl die meisten, die schon mal eine OP hatten oder im Krankenhaus eine Behandlung bekommen haben auch schon gesehen. Da steht dann drauf, was gemacht wird, welche Medikamente gegeben werden und welche Nebenwirkungen auftreten können. Das wird im Laufe eines Aufklärungsgesprächs mit dem Arzt alles erklärt, man kann Fragen stellen etc. Die Ärztin kam schon mit einem ausgefüllten Bogen zu mir und ich hab dann, als sie ansetzen wollte alles zu erklären gefragt, was passieren würde, wenn ich die Behandlungsaufklärung ablehnen würde (und damit die Behandlung nicht stattfinden würde). "Wir geben dir 3-6 Wochen" - war die erstmal lapidare (auch wenn sie das nicht war) Antwort.
BUMMM
Nun stehst du da. Ich für mich persönlich habe dann für mich - sofort - entschieden, wir brauchen nicht weiter machen, ich unterschreibe und wir legen los.

Aber dann sitzt du alleine (auch wenn Katrin da war, aber das ist was, was jeder mit sich selbst ausmachen muss) da und musst damit fertig werden, wieviel Glück du eigentlich hattest. Man stelle sich vor ich wäre erst 14 Tage später beim Arzt gewesen. Es hätte in der Zeit alles passieren können (bis zum Tod) - und auch meine Behandlungschancen wären wesentlich schlechter gewesen.

Plötzlich rücken Dinge von einem ab, die vorher wichtig waren. Scheiss auf das neue Auto - warum hab ich immer nur gesagt "ich möchte das und das gerne mal machen" - warum hab ich auf dem Sofa gesessen und gelesen, Computer gespielt, gefaulenzt, anstatt mit meinen Kindern zu kuscheln, spielen, vorgelesen, was SIE gerade machen wollten.

Zeit wird auf einmal wertvoll. Ich erinnere mich an ein Gespräch beim Gruppencoaching und bei Mittagessen mit Fred, und auch mit Wolfram und Gabi und Frank - jeder von uns hatte Schlüsselerlebnisse, die die Sicht verändern - erst JETZT - nach 6 Monaten Krankheit kann ich Euch wirklich verstehen. Mir geistern diese Gedanken nun schon 1-2 Monate im Kopf herum, aber ich brauchte Zeit.

Bei mir wird es jetzt nicht mehr heißen, hätte ich doch mal das gemacht. Wenn ich etwas machen möchte, werde ich es machen, anpacken oder in die Planung gehen es zu tun. Wem nützt es was, wenn ich es gerne getan hätte, aber dann nicht mehr konnte?
Der große Wunsch meiner Kinder ist es, mal mit dem Flugzeit zu fliegen - und damit wird es auch zu meinem Herzenswunsch. Also plant Jens für die Zeit nach der Krankheit (das wird wohl erst 2015 was werden) aber schon mal.

Jeder von Euch hat die Chance, das zu tun, was er schon immer mal machen wollte. "Getting Things Done" - ist zwar eine Zeitmanagementmethode, aber man kann es auch wörtlich nehmen. Ist es dir wichtig, mach es einfach und rede nicht nur darüber.

Genießt das Leben war ihr jetzt habt, es kann kurz genug sein und wenn ihr dann (auch wenn das jetzt klischeehaft klingt) auf dem Sterbebett liegt und denke - warum hab ich nicht, dann habt ihr einen Fehler gemacht. Heute ist der Tag, um es anzupacken und die Dinge zu tun, die ihr schon immer tun wolltet.

Get it Done!

Carpe Diem

Jens

Kommentare:

  1. Hallo Jens, ich freue mich, wieder von Dir zu lesen. Sorry, dass das Telefonieren vorhin nicht geklappt hat, bin wieder auf Tour nach FFM.
    Wie Du schon schriebst, man sollte Carpe Diem wörtlicher nehmen. Und daran muss ich mich selbst auch jeden Tag wieder erinnern...
    Lass es Dir gut gehen,
    carpe diem
    Frank

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  3. Lieber Jens,

    schön, dass Du weiter aufrecht durch diesen Wald von Erfahrungen stapfst; die nicht leicht sind, die sich niemand freiwillig aussuchen würde und die Dich nachhaltig verändern. Ich bin immer sehr gespannt von Dir zu lesen und zu lernen. Carpe diem fand ich immer ein gutes Motto, in meinem Wohnzimmer steht noch ein großes schwarzes Foto mit der weißen Schrift: Today is the day. Danach versuche ich zu leben und Dein Weg macht nochmal besonders deutlich für mich, wie wichtig es ist jeden Tag zu nehmen und zum eigenen Tag zu machen. Jeden Tag vollständig zu leben, so bewusst es nur geht. Alles zu tun mich lebendig zu fühlen.

    Danke dafür.

    Alles Liebe,
    Fred

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  4. Lieber Jens,

    hättest nicht du das geschrieben sondern irgend ein anderer, dann hätte ich das ganze als Binsenweisheit abgetan und mich wieder in das Hamsterrad des Lebens zurückgezogen.

    Aber es kam aus berufener Feder. Danke für deine Einsichten. Bei der nächsten Gelegenheit für ein Gespräch mit dir kann auch ich noch (m)eine Story dazugeben.

    Viele liebe (grün-weiße) Grüße,
    Sven.

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  5. So bin ich zu meinem Masterstudium gekommen. Oft werde ich gefragt wofür - für mich nur für mich ich brauche das nicht im Job oder für mein Ego.

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  6. Ich habe noch zwei Beiträge in meinem Blog gefunden, die zum Thema wertvolle Zeit passen. Wenn Du Lust hast, schau mal rein:

    http://mindinchange.de/?p=701
    http://mindinchange.de/?p=765

    Alles Liebe,
    Fred

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